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  •  Vereinsgeschichte

  • 1932 - 1960
     
    Der Lampertheimer Reit- und Fahrverein wurde 1932 auf Anregung von Georg Griesheimer gegründet. Damals existierten weder ein Reitplatz noch eine Reithalle. Die aktiven Reiter kamen zumeist aus der Landwirtschaft oder waren Fuhrunternehmer, die mit ihren Pferden einen Teil ihres Lebensunterhaltes verdienen mussten. Im Rahmen der Gründung des Vereins wurde „Reitergeneral“ Johannes Seelinger zum Vorsitzenden gewählt. Es kam zu gemeinschaftlichen Ausritten, zur Teilnahme an örtlichen Festzügen wie z. B. beim Spargelfest und auch die Geselligkeit blühte auf. Der Verein zählte damals in etwa achtzig Mitglieder. Es wurden jedoch keine eigenen Reitturniere veranstaltet, obwohl später im Bereich der Bahnlinie Lampertheim-Weinheim (heute Technisches Zentrum) eine Geländefläche zum Reiten zur Verfügung gestellt wurde.
    1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, begann auch die Gleichschaltung der Vereine, wobei der Reit- und Fahrverein bis kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges seine Vereinsaktivitäten fortsetzen konnte. Danach wurde der Verein in eine ungewollte militärische Organisation integriert und der Sport wurde zum Dienst.
    Erst als Georg Griesheimer 1949 aus der russischen Kriegsgefangenschaft wieder in die Heimatstadt zurückkehrte, rief er mit einigen Jungbauern den Reitverein wieder ins Leben und übernahm auch den Vereinsvorsitz. Auf Antrag stellte die Gemeindeverwaltung am Altrhein, im Bereich der heutigen Natostraße, Gelände zur Verfügung. Wegen dem stetigen Hochwasser und auch anderweitiger Nutzung musste diese Fläche allerdings bald wieder aufgegeben werden. Es erfolgte ein Umzug in das östliche Stadtgebiet in unmittelbare Nähe des heutigen Tierheimes (Invalidenweg). Der Platz war allerdings zu klein, sodass kaum Aktivitäten entwickelt werden konnten. Die Stadt Lampertheim stellte dem Verein ein Ersatzgelände zwischen der Mannheimer Straße und der heutigen Straße „Am Weingarten“ zur Verfügung. Dabei handelte es sich um eine frühere Kiesgrube, die einige Jahre als Müllhalde diente. Die Fläche wurde mit einer Sandschicht abgedeckt und zu einem passablen Reitgelände umgestaltet. Später wurde die Fläche komplett eingefriedet und bereits im Jahr 1958 wurde ein Reitertag als erste sportliche Veranstaltung abgehalten.
     
    1961 - 1982
     
    Der Verein wurde 1961 in das Vereinsregister unter dem Namen Reit- und Fahrverein Lampertheim 1932 e.V. eingetragen und bekam das städtische Gelände „Am Weingarten“ in Erbpacht überlassen. Im selben Jahr kaufte man das erste vereinseigene Pferd, ein Voltigierpferd, mit dem die Voltigiergruppe des Vereins nun an Turnieren und bei Schaueinlagen auf Festen teilnehmen konnte. Im August 1961 wurde erstmals ein Reit- und Fahrturnier der Kategorie B in Lampertheim durchgeführt. Der Verein zählte zu diesem Zeitpunkt bereits 271 Mitglieder. Das Einzige was zur Ausübung der Reiterei damals fehlte, war eine Reithalle. Zu dieser Zeit wurde nur in den Sommermonaten trainiert, da im Winter das Reiten kaum möglich war. Zwangsläufig beschränkte man sich deshalb auf das praktische Training im Sommer und die theoretische Ausbildung im Winter.
    Nachdem die Stadt das Gelände im Bereich der Straße „Am Weingarten“ zur Bebauung umwidmete, musste der Reitplatz erneut verlegt werden. Im Jahr 1964 fand das letzte Reit- und Fahrturnier auf dem alten Turnierplatz statt.
    Die Stadt bot eine Fläche neben dem Stadion, unmittelbar „Am Weidweg“ (heute Parkplatz für die Hans-Pfeiffer-Halle) an. Bei diesem Gelände handelte es sich um einen ehemaligen Schuttplatz. Es sollten neben einer Reithalle zusätzlich ein Übungsplatz und ein Turnierplatz entstehen. Mit dem Bau der Reithalle wurde nach intensiven Planungen im Jahr 1965 begonnen. Trotz aller Schwierigkeiten (Untergrund, Finanzierung) wurde die Halle bereits 1966 fertig gestellt. Große Verdienste daran hatten Vorsitzender Griesheimer sowie der damalige Geschäftsführer Gustav Schmitt. Beide stellten jedoch ihr Amt im Jahr 1965 zur Verfügung, wodurch Otto Glimm neuer Geschäftsführer und Karl Boxheimer neuer 1. Vorsitzender wurde. Er führte dieses Amt bis 1991 und wurde für dieses langjährige Engagement 1981 mit dem Landes-Ehrenbrief belohnt.
    Die Reithalle war die erste Halle im Kreis Bergstraße und wurde nicht nur von den einheimischen Reitern, sondern auch von den Vereinen des Kreisreiterbundes insbesondere bei Lehrgängen genutzt. Daneben wurde die neue Reithalle viele Jahre für die Durchführung des traditionellen Lampertheimer Spargelfestes zur Verfügung gestellt. Auch die örtlichen Vereine und Organisationen nutzten die Halle für ihre vielfältigen Veranstaltungen. Mit der offiziellen Einweihung der neuen Reithalle und der Reitplätze hatte der Verein in den folgenden Jahren die Möglichkeit kleinere und größere Turniere sowie Meisterschaften als Ausrichter durchzuführen.
    In den Jahren 1971 und 1972 wurden z. B. bundesoffene Prüfungen der Kategorie A in Lampertheim ausgeschrieben. Namhafte Teilnehmer waren unter anderem Hugo Simon, Sönke Sörensen, Hauke Schmidt sowie Spitzenpferde aus den Ställen Klimke und Neckermann. Die Turniere fanden auch deshalb so großen Anklang, weil das internationale Maimarktturnier in Mannheim eine Woche später stattfand und die prominenten Reiter das Lampertheimer Turnier als Generalprobe nutzen wollten.
    Im Rahmen einer geplanten Erweiterung und Arrondierung des Sportzentrums am Weidweg trat die Stadt Lampertheim erneut an den Verein mit der Bitte heran einer weiteren Reitplatzverlegung zuzustimmen. Der Verein akzeptierte den Vorschlag der Stadt, sodass die Reitplätze hinter die Reithalle in Richtung Holland-Graben neu angelegt wurden. Die Baumaße erfolgte unter der Regie der Stadt Lampertheim, wobei zusätzlich auf dem Turnierplatz ein Richterturm aufgestellt wurde. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass die schwierigen Bodenverhältnisse in diesem Bereich sich teilweise bis zum heutigen Tag sehr negativ auf die Platznutzung insbesondere bei ergiebigen Regenfällen auswirkten. Neben der traditionellen Großveranstaltung im April wurde ab 1975 jeweils im September eine zweite Veranstaltung für die Jugend in den Veranstaltungskalender mit aufgenommen. Diese beiden Veranstaltungen etablierten sich bis in die heutige Zeit.
    Zusätzliche Baumaßnahmen waren im Jahr 1974 die Errichtung eines Stallgebäudes sowie 1977 ein größerer Anbau an die Südseite der Reithalle, der eine Gaststätte im Obergeschoss und einen Jugendraum im Erdgeschoss sowie sanitäre Einrichtungen beinhaltete.
    In den folgenden Jahren entwickelte sich neben den üblichen Turnierveranstaltungen Kontakte zu der holländischen Partnerstadt Wierden, die viele Jahre von gegenseitigen Besuchen von Turnierveranstaltungen geprägt waren.
    Im Jahr 1982 konnte der Verein sein 50jähriges Jubiläum feiern. Der Terminplan dieses Jahres war voll bestückt mit großen Veranstaltungen. Neben Reitern der nationalen Klasse bereicherte auch die Reiterstaffel aus Wierden das Programm.
     
    1983 - 1991
     
    1984 wurde letztmalig das Spargelfest in der Reithalle durchgeführt und die bestehende vertragliche Regelung mit der Stadt Lampertheim nicht mehr erneuert. Obwohl dies für den Verein eine finanzielle Einbuße bedeutete, konnte der Sportbetrieb aber nunmehr durchgehend ausgeübt werden.
    Ab 1986 wurde Rosi Vonderheid als neue Reitlehrerin eingestellt, die auf Anhieb viel Auf­schwung in den Reitbetrieb brachte. 1987 kam der Voltigierlehrer Thomas Degen in den Verein, der die Voltigierabteilung langsam wieder aufbaute, die seit 1971 gänzlich eingeschlafen war. Deshalb wurde zu den fünf vorhandenen Schulpferden ein reines Voltigierpferd angekauft. Im März 1989 konnte seit langem wieder das erste Voltigierturnier abgehalten und bereits im Oktober der Titel des Kreismeisters errungen werden.
    Völlig unerwartet wurde im Juli 1989 das 24jährige Vereinsmitglied Doris Dietz Deutsche Meisterin im Springreiten. Mit dieser hervorragenden Leistung war sie natürlich das größte sportliche Aushängeschild des Vereins, sogar bis in die heutige Zeit.
    1991 gab der langjährige 1. Vorsitzende Karl Boxheimer sein Amt an den bis dahin als Geschäftsführer fungierenden Otto Glimm ab.
     
    1992 - 2007
     
    Im Jubiläumsjahr 1992 löste die neue Reitlehrerin Marion Finselberger Rosi Vonderheid ab. Sie verstand es insbesondere im Jugendbereich viele neue Mitglieder zu gewinnen, in dieser Zeit stieg die Mitgliederzahl auf insgesamt 429. Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Unterstellmöglichkeiten für Pferde, baute man 1994 in einem privaten Finanzierungskonzept einen weiteren Stall, der zusätzlich Platz für acht Pferde bot. In der Zwischenzeit ist dieser Stall in Vereinseigentum übergegangen.
    Durch Marion Finselberger wurde auch dem Dressursport der gebührende Stellenwert innerhalb des Vereins eingeräumt. Sie verstand es durch den Einsatz der vorhandenen, vereinseigenen Schulpferde den Jugendlichen ohne eigenes Pferd eine Teilnahme an Turnieren der Umgebung zu ermöglichen. Das Angebot des Vereins wurde durch Michaela Geier (geb. Keil) in dieser Zeit um das therapeutische Reiten für Behinderte ergänzt.
    Parallel zu den Erfolgen im Dressur- und Springsport wurden 1994 und 1995 Silke Pohl und Nicole Schollmeier Süddeutsche Meister der Doppelvoltigierer.
    Die Stadt Lampertheim honorierte die sportlichen Erfolge und die hervorragende Jugendarbeit innerhalb des Vereins erstmals mit der Verleihung des Vereinsförderpreises „Sport“ sowie auch des Förderpreises für Jugendgruppen.
     
    Personelle Änderungen ergaben sich 1995 durch das Ausscheiden des Voltigiertrainers Degen, der durch die neuen Übungsleiterinnen Kristina Armbruster und Michaela Geier ersetzt wurde. Zur Unterstützung von Marion Finselberger wurde als weitere Reitlehrerin Birgit Höfer beschäftigt.
    Auch im Vorstand erfolgte im Jahr 1997 mit der Wahl von Wilfried Neudecker zum neuen ersten Vorsitzenden eine Änderung, da sich Otto Glimm nach 31jähriger Vorstandarbeit nicht mehr zur Wahl stellte. Die Mitgliederzahl betrug zu dieser Zeit 435.
    Neben den gewohnten sportlichen Aktivitäten traten in dieser Zeit verstärkt Probleme mit notwendigen Sanierungsarbeiten an den Sportstätten auf. Insbesondere im Reithallenbereich sind durch den problematischen Untergrund an dem erfolgten Anbau Schäden aufgetreten. Immer wieder fiel das Aprilturnier buchstäblich ins Wasser und aufgrund des schwierigen Untergrundes stellten die Bodenverhältnisse für Reiter und Pferd eine große Gefahr dar. Aus diesem Grund wurde in den letzten Jahren das große Aprilturnier „nur“ noch bis zur Klasse M im Springen und der Dressur ausgetragen.
     
    2008 - 2013
     
    Im Jahr 2010 brannte beim Lampertheimer Reit- und Fahrverein das Heu- und Strohlager im Anbau des Reithallenbereichs völlig aus. Wie sich das Feuer entzünden konnte, ist bis heute ungeklärt. Die Mitglieder konnten in dieser Zeit lange aufgrund der Brandgase die Reithalle nicht mehr nutzen. Der Anbau zur Lagerung des notwendigen Futters wurde wieder in aufwendiger Arbeit aufgebaut und erneuert.
    In viel Eigenarbeit wurden zudem Sanierungsarbeiten des Jugendraumes, der Reithalle und des Eingangsbereichs zur Gaststätte erfolgreich beendet.
     
    Aufrund verschiedener turnierbedingter Auflagen wurde im Jahr 2011 der Springabreiteplatz deutlich vergrößert, sodass die Nutzer nun mehr Platz für das Warmreiten der Pferde zur Verfügung haben. Diese bauliche Maßnahme soll in den nächsten Jahren u. a. auch dazu genutzt werden, die Turnierausschreibungen wieder bis zu Kategorie S, der schwersten Klasse der Reiterei, möglich zu machen.
    Seit 2012 ist Christa Mrotzek 1. Vorsitzende und lenkt die Geschicke des Vereins. In 2013 konnte sie den aus dem Fernsehen bekannten „Knochenbrecher“ oder „XXL-Ostfriesen“ Tamme Hanken für einen Besuch auf dem Vereinsgelände gewinnen, der sich als Osteopath einen hervorragenden Namen gemacht hat. Aufgrund des weitreichenden Interesses wurden 2 Termine sowohl für Pferde als auch für Hunde abgehalten.
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    1936 - 1938 Reiter des Reitvereins nehmen am Spargelfestzug in Lampertheim teil.



         
                                
    Turnierankündigung von 1986